Erst vor Kurzem habe ich etwas erlebt, das sich sehr viele Menschen im Grunde innig wünschen und sich gemessen daran nur wenige gönnen: die dritte Urlaubswoche. Dieser vermeintliche Luxus, drei Wochen am Stück nicht zu arbeiten oder sogar gar nicht zuhause zu sein, ist für viele schlicht etwas, was nur andere machen. Vor vielen Jahren habe ich mal in einer Agentur gearbeitet, in der nur drei Wochen Urlaub gewährt wurden, wenn sie für eine Hochzeitsreise genutzt wurden. Überflüssig zu sagen, dass die Singles das Nachsehen hatten und ob es extra deswegen Fake-Hochzeiten gab, weiß ich leider auch nicht. Wie sich das arbeitsrechtlich verhält, müsste an anderer Stelle vielleicht auch nochmal hinterfragt werden…

Selbst und ständig ohne Urlaub

Grundsätzlich kann ich feststellen, dass sich natürlich überwiegend die Selbstständigen drei Wochen Urlaub am Stück versagen – sehr gern mit dem in meinen Augen unsäglich doofen Spruch: „Du kennst das doch, selbst und ständig.“ Ich habe ja immer den Eindruck, dass hier die Wahrheit einer von diesen drei Varianten nahe kommt:

a) Ich habe kein Geld für Urlaub und brauche jeden Cent, den ich erarbeiten kann.
b) Ich schaffe es nicht, die in den drei Wochen anfallende Arbeit zu delegieren, weil ich entweder zu schlecht organisiert bin oder meine Vertretung zu mickrig bezahle.
c) Ich brauche meine Arbeit, um mich bedeutend und wichtig zu fühlen und kann aus psychologischen Gründen einfach nicht ohne.
Noch nie untergekommen ist mir beispielsweise der Top-Herzchirurg, der keine ausgedehnten Urlaube machen kann, weil wirklich nur er eine ganz komplizierte Operationstechnik beherrscht und ohne ihn Herzpatienten sterben würden.

Bräsige Langeweile

Wenn ich nun von meiner gerade verbrachten dritten Urlaubswoche erzähle, reagieren eigentlich alle Gesprächspartner ganz verzückt. Und da dieses Erholungserlebnis für viele offenbar immer nur graue Theorie bleiben wird, fasse ich hier gern nochmal meine Eindrücke dazu zusammen:
Das Tolle an der dritten Woche für mich war, dass ich mich schon nach 14 Tagen eigentlich ganz gut erholt gefühlt habe und dennoch nicht schon nach Hause musste! Nachdem ich mich in der ersten Woche erst einmal orientieren, ans fremde Bett und die unbekannte Umgebung gewöhnen musste, habe ich in der zweiten Woche dann aktiv Dinge in die Hand genommen, Ausflüge gemacht, Sachen besorgt und so weiter. Und in der sagenhaften dritten Woche gab es nichts wirklich Wichtiges mehr zu tun. Manchmal kam sogar ein sehr angenehmes Gefühl bräsiger Langeweile auf, das dazu führte, dass ich mir zum Beispiel Geschichten über wildfremde Leute ausgedacht habe. Und diese Geschichten habe ich auch nicht irgendwo aufgeschrieben, sondern sie einfach wieder vergessen! Ich habe Ameisen unter meiner Strandliege beobachtet und jede Nacht etwa neun Stunden geschlafen. Dieser so verzückend realitätsferne Zustand erinnerte mich im Grunde an ein Gefühl aus meiner Kindheit, das mit scheinbar endlosen Sommerferien und dem Geruch nach Gras und Sonne einhergegangen ist. Nach Ende dieser dritten Woche war ich dann wieder so erwachsen, dass ich wirklich Lust hatte, mich zuhause und im Büro wieder um ernsthafte Sachen zu kümmern.

Zahlungserinnerungen und massenweise Mails

Und wie diese Rückkehr dann war, möchte ich Euch natürlich auch nicht verschweigen: Irgendwie holprig, weil ich nicht von Null auf jetzt wieder unheimlich produktiv sein konnte. Ernüchternd, weil sich massenweise Post und E-Mails angesammelt hatten (ja, es waren auch Mahnungen dabei, weil ich wegen meiner Abwesenheit Sachen nicht rechtzeitig bezahlt hatte). Aber irgendwie auch entspannt, weil sich gezeigt hat, dass keinerlei Katastrophen passiert sind und Dinge, die drei Wochen warten konnten, auch genauso vier oder fünf Wochen warten können!

Fazit: Ich weiß gar nicht, ob hier ein Fazit wirklich nötig ist, denn im Grunde sollte man natürlich jede Gelegenheit für Urlaub ergreifen und die Zeit genießen! Doch vielleicht kann ich für mich festhalten, dass ich nicht unbedingt mehrmals im Jahr eine dreiwöchige Auszeit brauche, einfach weil es auch schön ist, ohne Ablenkung das Leben zu führen, das es eben ist, wenn kein Urlaub stattfindet!