Laut Internet soll Harald Schmidt mal gesagt haben: „Kaffee fördert die Potenz. Nach zehn Tassen Kaffee kann man die zitternden Hände sehr gut beim Vorspiel einsetzen.“ Zwar befindet sich der gemütliche Coffee-Shop „Kiezbohne“ mitten in St. Pauli, dennoch hat mir der Inhaber Jörg bei unserem kleinen Interview nichts von derartigen Nebenwirkungen bei seinen Gästen berichtet. Das kleine Café ist liebevoll eingerichtet, es gibt leckere Kleinigkeiten, der Kaffee ist angenehm mild und nie bitter und auch im Preis moderat. Wie und weshalb der gelernte Dachdecker Jörg zu seinem Café gekommen ist, hat er mir neulich erzählt – natürlich bei einer Tasse Kaffee!

Seit wann haben Du und Dein Geschäftspartner Markus das Café Kiezbohne in St. Pauli?
Seit Anfang November 2016. Markus und ich haben uns die Arbeit ganz klar aufgeteilt: Ich mache das tägliche Geschäft und er macht den Bürokram – dazu hätte ich auch keine Lust!

Aber wie seid Ihr überhaupt auf die Idee gekommen, einen Coffee-Shop hier auf St. Pauli zu kaufen?
Das ist eine lange Story: Ich habe bis letztes Jahr in Neuseeland gelebt und habe mich dann mit Markus anderweitig geschäftlich zusammengetan. Aber ich wollte auch gern mein eigenes Ding machen und habe schon vorher, als ich noch meine Dachdeckerfirma hatte, davon geträumt, mal ein eigenes Café zu eröffnen. Mir hat auch die Kaffeekultur und der Gastro-Stil der Neuseeländer sehr gut gefallen. Wir sind dann durch Zufall hier in Hamburg gelandet und haben uns einfach nach Ladenlokalen umgeschaut, aber es gab fast nur Angebote ab 100 Quadratmetern. Aber weil ich vorher noch nie Gastro gemacht habe und wir ja gemeinsam auch noch andere Firmen haben, wollte ich lieber mit etwas Kleinerem anfangen. Durch Zufall habe ich dann im Internet diesen Laden entdeckt, den der Vorbesitzer verkaufen wollte. Die Fotos und der Preis haben uns zugesagt, wir haben dann den Makler terrorisiert und eine Woche später gehörte das Café uns!

Was gefällt Dir bislang an Deiner Position als Café-Inhaber am besten?
Der Umgang mit den Leuten in St. Pauli. Die Leute hier sind einfach genial! Ich persönlich komme mit den meisten Leuten sowieso gut aus, aber hier ist ein ganz spezielles Flair: Es wird jeder geduzt und natürlich werden alle, die nett reinkommen, auch freundlich bedient. Aber die Leute müssen nicht mit Samthandschuhen angefasst werden und das finde ich sehr angenehm. Mir gefällt auch die Lage in der Paul-Roosen-Straße, hier ist immer was los und es kommen auch viele Touristen. Man kann natürlich darüber diskutieren, ob einem St. Pauli gefällt oder nicht, aber ich persönlich finde es hier genial! Viele meinen ja, die Hamburger seien stur, aber den Eindruck habe ich überhaupt nicht. Ich habe nun schon viele alteingesessene St. Paulianer kennengelernt und es ist eben ein Geben und Nehmen – je nachdem, wie man selbst mit den Leuten umgeht. Wenn hier mal zehn Leute auf einmal sind und dadurch alle auf ihren Kaffee warten müssen, dann zicken die aber auch nicht rum. Dann sorge ich bloß dafür, dass alle gut unterhalten sind und dann ist das für die in Ordnung.

Was hast Du Dir leichter vorgestellt? Was könnte besser klappen?
Es ist ziemlich schwer, gutes Personal zu finden, aber das haben wir jetzt einigermaßen im Griff. Wir haben in der kurzen Zeit allerdings schon komische Sachen erlebt: Dass Leute gar nicht erst zum Einarbeiten auftauchen, das hatten wir tatsächlich schon dreimal! Dann hatten wir jemanden eingestellt, der kam beim zweiten Mal einfach nur für die halbe Schicht und beim nächsten Termin überhaupt nicht, weil er angeblich vorher zuhause ohnmächtig geworden war.

Was ist aktuell Dein wichtigstes Projekt in der Kiezbohne?
Wir wollen hier im Laden noch etwas umbauen, damit noch mehr Tische reinpassen und wir flexibler hin- und herräumen können. Das plane ich gerade, denn es soll ja auch ein bisschen cool aussehen!

Kiezbohne, Paul-Roosen-Straße 12, 20359 Hamburg

http://www.kiezbohne.com/

https://www.facebook.com/KiezBohne/