Zugegeben: Ich hatte Schlimmes erwartet! Als ich mich vor Wochen bei der Aktion „Deutschland spricht“ angemeldet hatte, bei der es darum geht, ein persönliches Gespräch mit einem politisch anders denkenden Menschen zu führen, war ich darauf gefasst, eine leidenschaftliche Debatte rund um Flüchtlinge, Islam, Gender-Themen und Trump zu führen.
Geradezu harmlos und wirklich sympathisch dagegen war mein Kaffeeklatsch in einem gemütlichen Café in St. Pauli mit einem komplett in Beige gekleideten Taxifahrer von Ende 50. Unsere von den Organisatoren vorab per Fragebogen ermittelten Meinungsverschiedenheiten beschränkten sich maßgeblich auf den Autoverkehr in Innenstädten – und schon nach wenigen Sätzen war klar, dass wir beide der Ansicht sind, dass Busse, Lieferfahrzeuge und natürlich Taxen in der Innenstadt fahren müssen und der öffentliche Nahverkehr einfach attraktiver gestaltet werden sollte. Weiter ging es sehr harmonisch um Musik, Reisen und IT-Themen. Auf meine zaghafte Frage nach der AfD antwortete mein Gesprächspartner lakonisch: „Diese Typen machen doch bei so einer Aktion erst gar nicht mit!“.

Doch das scheint nicht ganz zu stimmen, denn die ZEIT veröffentlichte gerade einen Beitrag über ein ähnliches Treffen in Weimar, bei dem eine AfD-wählende Krankenschwester viele Gemeinsamkeiten mit einem frei denkenden Künstler entdeckt. Doch nochmal zu mir und der Konfrontation mit dem Andersdenkenden: Auch wenn ich mich mich mit meinem Gesprächspartner diesmal nicht streiten musste, werde ich mir zukünftig die Arbeit machen und hartnäckig über Politik debattieren – und zwar nicht nur in einer Facebook-Gruppe, sondern gern im persönlichen Gespräch. Einfach weil ich so froh bin, dass ich das in aller Öffentlichkeit tun kann, ohne dafür rechtlich bestraft zu werden!