Um die Antwort auf die Frage in der Überschrift gleich vorweg zu nehmen: Ich weiß es auch nicht! Fakt ist, dass ich ziemlich genau sein kann und ich durchaus den Eindruck habe, dass andere Menschen mich dann unter Umständen als pingelig bezeichnen. Mal ist das ganz gut und in anderen Fällen eher schlecht, obwohl ich das dann meistens nicht so sehen will. Hier ein paar Beispiele:

Anrufe im Fünf-Minuten-Takt
Ein Kunde kündigt mir per Mail an, dass er um 16 Uhr telefonisch erreichbar ist. Ich rufe ihn dann auch exakt um Punkt vier an – und fünf Minuten später wieder und um zehn nach auch und so weiter, bis er dann um halb endlich abnimmt und mir sagt, er war in einer Besprechung. Natürlich wäre es schöner gewesen, er hätte mich darüber kurz per Mail informiert – aber ich muss zu meiner Ehrenrettung sagen, dass ich in so einem Fall auch nicht beleidigt bin, denn ich hätte es ja bei einem Anrufversuch belassen und entspannt auf seinen Rückruf warten können. Manchmal muss ich aber auch zum Beispiel ganz dringend einen Redakteur für ein Advertorial telefonisch abpassen. Die Redaktionssekretärin hat mir vielleicht schon erzählt, dass mein Ansprechpartner in einer Konferenz mit unbekannter Dauer ist und danach zu einem Termin muss. In diesem Fall zahlt sich mein hartnäckiger Telefonterror aus, weil ich ihn dadurch irgendwann an seinem Schreibtisch erwische! Und eine kleine E-Mail hätte er in seiner Eile vermutlich einfach ignoriert.

Wenn niemand außer mir meckert
Hier ein unschönes Beispiel aus dem täglichen Leben: In meiner aktuellen Bürogemeinschaft dagegen habe ich leider wider Willen die Rolle der Pingeligen übernommen! Es gibt für alle Mieter reihum abwechselnd Verantwortlichkeiten: Eine Woche muss der eine dafür sorgen, dass in der Toilette Seife und Handtücher aufgefüllt sind, ein anderer ist zuständig dafür, dass es in der Küche ordentlich aussieht und so weiter. Leider wird diese Pflicht von den meisten erfolgreich ignoriert oder vergessen – bloß von mir nicht, weil ich mir ordentlich meinen „Dienst“ in den Kalender eingetragen habe. Und ja, mir ist bewusst, dass ich, wenn ich dann dran bin, auch die Arbeiten mit erledige, die die anderen wochenlang einfach liegengelassen haben. Und ihr könnt mir glauben: Ich habe mich bisher nicht besonders beliebt gemacht, wenn ich die anderen auf die Versäumnisse hingewiesen habe und komischerweise meckert aber auch nie jemand anders… Offenbar nehmen meine Mitmenschen diese Dinge nicht so genau wie ich…

Akurate Rechtschreibung
Merkt ihr was? Wann habt ihr zuletzt den Begriff „akurat“ benutzt? Ich mag den Ausdruck aber und finde ihn auch besonders für Texte ganz passend, denn ehrlich gesagt, beleidigen schlampige Rechtschreibfehler meinen Sinn für Ästhetik. Deshalb schaue ich, wenn ich bezüglich der Rechtschreibung unsicher bin, auch gern in den Duden. Oder online auf www.duden.de. Mal stelle ich dann fest, dass ich mit meiner Schreibweise richtig lag, aber ich entdecke auch schon mal, dass ich bisher ein bestimmtes Wort unwissentlich  immer falsch geschrieben habe (So ist es mir übrigens lange mit dem Wort „Know-how“ gegangen – kleines „h“!). Wenn ich mir jetzt aber beispielsweise auf Facebook Nutzerkommentare durchlese, ist es offensichtlich, dass vielen Leuten eine fehlerfreie Rechtschreibung vollkommen wurscht ist. Ist es ja vielleicht auch auf privaten Social Media-Kanälen, aber im Job, in Geschäftsmailings, auf Unternehmenswebsites und natürlich in PR-Texten jeder Art muss einfach jemand – gern ich – vor Veröffentlichung, Versand oder Druck nochmal sehr genau drüber gucken. Und hier gilt in jedem Fall: Je pingeliger desto besser!